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Clara und ihr Vogel (Fotos: Ursula Kaufmann)
Der Mond tanzt fröhlich am Sternenhimmel. »Clara und ihr Vogel«: Erzähltheater entwickelt sich zu einem fantastischen Abenteuer
Herford (HK). Eine außergewöhnliche Kulisse, viel Licht und Schatten, ein wenig Musik und großes künstlerisches Können katapultieren in eine
andere Welt. Claras Eltern haben kein offenes Ohr für die Geschichten ihrer Tochter, sie sitzen lieber im Wohnzimmer auf dem Sofa und blättern in der Zeitung.
Clara wünscht sich einen Vogel und mit der Drohung tot umzufallen, schafft sie es sich durchzusetzen. Doch der Vogel, denn sie sich ausgesucht hat, gefällt ihren Eltern nicht. »Schon gar nicht ohne Käfig«, sagt Papa. Claras
Wahl ist auf einen weißen Schwan gefallen und es fällt ihr nicht ein, sich wieder von ihm zu trennen - lieber trennt sie sich von ihrem Zuhause. »Wenn der Vogel nicht bei mir im Haus leben darf, dann
leben wir eben im Wald«, sagte sie. Gesagt, getan. Ein aufregendes Abenteuer beginnt: Clara und der Schwan treffen im Wald nicht nur eine Eule, eine Schlange und einen Wolf, sondern auch einem gefrässigen Riesen,
der nichts ganz und gar nichts Gutes im Schilde führt.
Das bilderreiche Erzähltheater »Clara und ihr Vogel«, inszeniert vom Theater Marabu aus Bonn, ist ein
wahres Erlebnis. Grandios bringt das Ensemble die Erzählung des österreichischen Schriftstellers Martin Auer, die 1988 unter dem Titel »Bimbo und sein Vogel« erschien, auf die Bühne.
In einem, nur von Luft getragenen, Kuppelzelt, in der Form einem großen Iglu ähnlich, wird Claras Geschichte auf fabelhafte Weise von Tina Jücker erzählt. Als Requisite stehen nur zusammengesuchte
Objekte aus der Spielzeugkiste zur Verfügung. Gekonnt wechselt Tina Jücker während des Spiels zwischen der Rolle der Erzählerin und dem direkten Spiel hin- und her. Eben noch die Stimme von
Mama (»Ach, du meine Güte«) und Papa (»Na, na, na«) verwandelt sie sich im nächsten Moment in einen Marabu oder den Riesen höchstpersönlich.
Bilder, geschaffen durch Licht und
Schatten beherrschen die Bühne, Realität und Illusion verschmelzen und verzaubern das Publikum, Groß wie Klein. So tanzt der Mond am Sternenhimmel und eine Sternschnuppe verglüht über den Köpfen des Publikums.
Immer wieder im Verlauf des Spiels wechselt die Darstellungsform zwischen Illusion, Schauspiel und Zeigegestus. Durch das Kuppelzelt, das Licht, die wenige, aber sehr eingängige Musik und die kunstvolle Darbietung von Tina
Jücker wird das Erzähltheater »Clara und ihr Vogel« sowohl für die kleinen, als auch für die großen Zuschauer zu einem fantastischen Abenteuer. Herforder Kreisblatt vom 11.03. 2008
Die kleine Flatter. ... . Tina Jücker springt virtuos vom Erzählen ins unmittelbare Spiel, wechselt raffiniert zwischen Illusion
und dem Zeigegestus des nur Gespielten. Wenn sie den Mond wie einen leuchtenden Ball zum Tanzen bringt und spielerisch immer wieder einfängt, ist das ein heiteres Kabinettstück; dass das Himmelslicht
bei seinen nächtlichen Beobachtungen auch noch einen gemütlich breiten Dialekt spricht, macht es ebenso sympathisch wie seine kurze Rückkehr zu dem Waldidyll, wo der große Schwan die kleine Clara
unter seinen Flügeln vor so üblen Feinden beschützt wie Eule, Schlange, Fuchs und Hase. Gut, letzterer ist eher ein Angsthase und ganz froh, wenn man Clara und ihren Vogel endlich in Ruhe lässt.
Clara ist jedoch ein bisschen zu
tapfer und macht sich mit ihrem Schwan auf die Suche nach dem Riesen, der in ihren Bilderbüchern halt zum Inventar der Wildnis gehört. Leider pflegt dieses Ungeheuer kleine Mädchen und Schwäne zum
Früstück zu verspeisen und ist auch sonst kulinarisch nicht gerade wählerisch. Was da alles dank Claras Schlauheit aus seinem großen Magen wieder zum Vorschein kommt, ist so eindrucksvoll, dass auch die Eltern
jetzt nicht mehr nur Claras Vogel, sondern eine Menge anderer Gäste akzeptieren müssen.
Was ist schließlich ein Sofa gegen ein tolles Karussell mit Löwe, Giraffe, Ferkeln, halben Bauernhöfen
und ganzen Wolkenkratzern? Klar, selbst wenn man zuverlässig einen Vogel hat, kann man nicht gleich alle wirklich weltbewegenden Fragen lösen. Nur als Beispiel: Warum bleibt ein Schwan immer weiß und
sauber, während Kinder nach einem wilden Abenteuertag immer so verdreckt sind? Die vielen begeisterten Kinder bei den beiden restlos ausverkauften "Marabu"- Premieren haben sich
pragmatisch entschieden: Im Theater ist alles möglich, und das Schönste ist: Man muss sich danach auch nicht gleich waschen. Generalanzeiger, Feuilleton vom 31.01.2006
Schwan wacht über das Mädchen ...und nun entsteht durch Tina Jückers großes Erzähltalent und die traumhafte Beleuchtung eine
wunderbare Geschichte in und um das Zelt. ... . Mit schier unendlichem Einfallsreichtum erweist sich die Inszenierung für Kinder ab 4 Jahren von Claus Overkamp als eine spannende Mischung aus Schatten-,
Illuminations- und Erzähltheater. Bonner Rundschau vom 31.01.2006
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Die Haifischkatze (Fotos: Mengelberg/ Kaufmann)
Zwei schräge Vögel im Ehebett. Marcel Cremer hat das poetische kleine Stück den Schauspielern auf den Leib geschrieben und mit liebevollem Witz inszeniert. Die Bühne der beiden schrägen Vögel ist diesmal ein
kuscheliges Doppelbett. Da liegen Tina Jücker und Claus Overkamp, beobachten verschmitzt durch ihre Brillengläser das hereinströmende Publikum und kramen dann einen Fotoapparat unter dem Plumeau hervor,
um ihre Zuschauer zu knipsen. Solch pfiffige Kommunikation zwischen den Darstellern und Publikum gehören zum Konzept der neuen Produktion des Bonner Marabu-Theaters.
Eigentlich sind die beiden Erwachsenen im Ehebett immer noch große Kinder mit Träumen, Ängsten
und kleinen Geheimnissen. ... . Jücker und Overkamp machen aus dem Zustand zwischen Wachen und Träumen ein heiteres Spiel, knipsen immer wieder ihre putzigen Nachtlämpchen an, setzen sich herrlich
umständlich ihre Brillen auf und spielen besorgte Eltern. Denn ihr kleiner Sohn Anton - ob’s den tatsächlich gibt, spielt keine Rolle, in ihrer Fantasie ist er jedenfalls sehr präsent - ist von dem Film “Der
weiße Hai” traumatisiert, fängt nachts an zu schreien und braucht Trost. Der tapfere Vater muss erst mal den Kampf mit der technischen Zivilisation in Gestalt der gefährlich schwankenden bunten, geheimnisvoll
an- und ausgehenden Tütenlampen überm Bett bestehen, sieht sein Kind aber schon im Kampf mit den Naturgewalten und beruhigt sich damit, dass vielleicht auch ein wüster Hai nur einen Freund sucht, um ihn sanft zu beschützen.
Zum halbwegs unbesorgten Einschlafen reicht das, aber wenn dann die Beleuchtung zum Hai-Soundtrack aus den warmen Farben der Tapete eisige Wellen zaubert, das
große Bett sich wie ein schlingerndes Boot knirschend in Bewegung setzt und seine träumenden Bewohner wild durcheinander wirbelt, bleiben zumindfest die Zuschauer hellwach.Die patente Mutter hat am Morgen die Lösung:
eine Haifischkatze aus dem Tierheim muss her.... . Nur einen menschlichen Namen braucht der potenzielle neue Hausgenosse noch; bei der fröhlichen Suche durch’s ganze Alphabet dürfen alle Zuschauer mithelfen.
Schlaue Mäuse werden möglicherweise behaupten, dass es keine Haifischkatzen gibt. Die weisen Marabus wissen
das einfach besser, beweisen es spielerisch vergnüglich und trotz aller Anlehnung an kindliche Verhaltensweisen ohne jede flache pädagogische Anbiederung. Riesenbeifall aus dem ausverkauften Haus; zur Premiere
waren auch zahlreiche Kinder- und Jugendtheatermacher aus dem weiten Umkreis angereist. General-Anzeiger, Feuilleton vom 24.Januar 2005
Meereswogen und wilder Hai ... . Für so wunderliche Einsichten in die Psychologie einer Ehe haben wir “Die Haifischkatze” gleich richtig ins
Herz geschlossen, die das Theater Marabu am Freitag am Stammspielplatz in der Brotfabrik uraufführte. Wie jeden Abend kann Anton nicht einschlafen. “Er braucht ein größeres Boot”, träumt der Vater vor sich
hin. Tina Jücker glaubt, ein größeres Bett täte es auch, und will ihn ins Doppelbett holen. Der Vater protestiert: “Er muss auf eigenen Füßen stehen!”, erntet aber nur liebevolles Kraulen der Mama. “Du
kannst doch auch nicht ohne mich einschlafen!”, lacht sie. Wenn Szenen einer Ehe, dann also die, die wir uns wünschen und natürlich auch führen mit Kissenschlacht und allem Drum und Dran. ... .
Die Kinder ab 5, für die Marcel Cremer seinen Text geschrieben hat, aber verstehen was von Kissen- schlachten, da sind wir sicher. Die Erwachsenen sowieso. Gespielt wird das Stück von einer knappen
Stunde von Tina Jücker und Claus Overkamp in schlichter, schöner Herzlichkeit und in jenem Verständnis für den anderen, das das Ehegebot Nr.1 ist. ... . Bonner Rundschau vom 24.Januar 2005
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Um Himmels Willen, Ikarus! (Fotos: Ilonka Bremke)
Um Himmels Willen, Ikarus!
ist kraftvolles, leidenschaftliches Theater, voller Spielfreude und Intensität. In einer wunderbaren Beschränkung auf die Präsenz der Akteure, auf wenige Requisiten und eine pointiert eingesetzte Musik vermag das Stück die
Phantasie seiner Zuschauer wachzurufen. Die kreisförmige Anordnung der Zuschauerreihen genügt, ein Labyrinth zu imaginieren, allein mit Hühnerfedern und einem Schwirrholz gelingt der Flug über das Meer. Wie
nebenbei entsteht auch ein amüsantes Lehrstück über Theaterkonventionen.
Das Theater Marabu holt seine jungen Zuschauer mit auf die Spielfläche, geht das Risiko ein, ihnen die
ferne, mythische Geschichte von Ikarus und Dädalus - voller Fragen, Gefühle, Werte - zu erzählen und hat dabei genau beobachtet, spielt so präzise, dass diese Geschichte zwischen den Zuschauer, als Teil
ihrer Welt, lebendig wird und zutiefst berührt. Aus der Begründung der Preisjury Theaterzwang 2006
Es geht um Familie, um
den Verlust von Heimat, um die Sehnsucht nach der Mutter, um die tollen Baukünste von Papa Dädalus, um den roten Ariadnefaden, mit dem man aus einem Labyrinth wieder in Freie findet, um die Angst vor dem Erwachsenenleben und um
den Traum vom Fliegen. Die im Kreis aufgestellten Stühle für die Zuschauer markieren das Labyrinth, das Dädalus für seinen fremden Herrn konstruieren musste, um selbst zu überleben. Ikarus befragt
ihn nach den Gründen, staunt über den väterlichen Scharfsinn, bewundert ihn wie ein heutiger Junge, bohrt aber auch nach den Hintergründen, die zur Verbannung und Flucht führten.
Die beiden Schauspieler vermeiden dabei jede platte Naivität, nehmen ihre Geschichte ernst und zeigen mit ganz einfachen Mitteln ein Stück Politik und vor allem ein Stück über eine langsam wachsende
Freundschaft zwischen Vater und Sohn. Da vertraut man einer Feder als Flügel und einem Wassereimer als Meer. Da wird das Kreta der Minoer ohne Bildungsballast ebenso lebendig wie das Ungeheuer
Minotaurus. Die beiden erzählen das heiter und spannend, das auch Erwachsene noch Neues entdecken können in der alten Geschichte, deren Komplexität die Inszenierung durchaus bewusst hält.
kultur- Magazin der Theatergemeinde Bonn
Dädalus, der gestresste Papa . ... .„Um Himmels Willen, Ikarus!" erzählt die Geschichte von Vater und Sohn als alltäglichen Konflikt. Der Sohn will vom Vater nicht nur wissen, wo es lang geht (im wahrsten
Sinne des Wortes), sondern er fordert auch Antworten: „Wer hat uns hier eingesperrt?" und: „Warum hast du das Labyrinth gebaut?" So muss Dädalus erzählen: Vom Tyrannen Minos und dessen Frau, die sich in
einen Stier verliebt und vom Erfinder Dädalus fordert, ihr zu helfen. Ikarus selbst bringt seinen Vater auf die rettende Idee: „Setz ihr doch Hörner auf." Die Königin
gebiert den Minotaurus, „unten Mensch und oben Rind", singt Dädalus. Um das Ungeheuer zu verstecken, muss er das Labyrinth bauen. Die Zuschauer selbst sind in der Inszenierung von Christian
Schidlowsky das Labyrinth. Sie sitzen in drei konzentrischen Kreisen mit versetzten Öffnungen. Die beiden hervorragenden Darsteller Claus Overkamp als Dädalus und Bene Neustein als Ikarus nutzen den
gesamten Raum, spielen im kleinen Innenrund, irren durch die Reihen auf der Suche nach dem Ausgang oder tollen außen um die Zuschauer herum. Aber auch die Sonnenseiten des alltäglichen Glücks
scheinen für Vater und Sohn. Mit einer Feder bringt Ikarus wieder einmal den Vater auf die glorreiche Idee: „Was von Menschen erschaffen wurde, kann auch von Menschenhand überwunden werden." So
erheben sich beide auf Flügeln in die Lüfte der Freiheit, aber eben auch der Sonne entgegen, der Ikarus zu nahe kommt und ins Meer stürzt. Das Theater Marabu hat mit einfachen Mitteln großes Theater für
Kinder geschaffen - ohne Altersbegrenzung. Bonner Rundschau vom 19.09.05
“Antikes Stück ganz modern” ... . Wie Vater und Sohn miteinander diskutieren, streiten, singen und spielen, das zeigen die beiden
Schauspieler mit einer solchen Intensität und Leidenschaft, dass es auch die jungen Zuschauer mitreißt. Diese sitzen direkt auf der Bühne in einem Kreis, kein Vorhang und kein Orchestergraben trennt sie von
dem Geschehen, das sich direkt vor ihren Augen abspielt. ... . Neue Westfälische Zeitung vom 07.11.2006
“Von Tyrannen und
Monsterkindern” ... . “Marabu” bietet kraftvolles, fast leidenschaftliches Kindertheater, das ohne jeden Pathos und naive Anleihen auskommt und stattdessen mit sprühendem Spielwitz und zündenden Ideen überzeugt. Charmant
jungenhaft spielt Benedikt Neustein seinen Part, und Claus Overkamp wirkt für seine Vaterrolle geradezu maßgeschneidert. Die durchaus gewagte Herausforderung, eine -
im Grunde - ganz alltägliche Familiengeschichte in die geographische und poetische Ferne der griechischen Mythologie zu rücken, gelingt. Es entsteht ein Stück über Lebensfragen und Sinnfragen,
Gefühle und Werte. Lebendig, präszise und rührend vermittelt. Großes Theater für kleine Leute. Die Rheinpfalz vom 09.12.2006
Welt der Antike entsteht vo den Augen der Kinder. Mädchen und Jungen erleben eine gute Stunde
lang ausgezeichnetes Theater. Die Zuschauer befinden sich mittendrin, wenn Dädalus und Ikarus im Labyrinth nach einem Ausweg suchen. Voller Spielfreude und Intensität. ... . Ein besonderes
Theatererlebnis das weder Vorhang noch Theatergraben kannte. Dürener Nachrichten vom 30.11.2007
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Wir alle für immer zusammen! (Fotos: Ensemble)
Die elfjährige Polleke hat
es beim besten Willen nicht einfach. Sie ist verliebt in Mimun, den “liebsten Jungen” der Welt, aber der gebürtige Marokkaner hat ihr gerade den Laufpass gegeben. Ihre geschiedene Mama dagegen bändelt mit dem
Klassenlehrer an. Da braucht Polleke für den Spott gar nicht zu sorgen: “Was weiß Mama schon vom Leben auf der Straße und dem Schulhof?”
Die einfache Bühnenausstattung mit ein paar Stühlen, einem Tisch, einem Holzgeländer und einem
niedrigen Podest ist alles im Wechsel: Klassenzimmer, Wohnhaus, der Bauernhof der Großeltern, Kuhstall und immer wieder Straße. Viel Platz also, den die vier Schauspieler ununterbrochen nutzen und
all die verwirrenden Gefühle und die gefühlten Verwirrungen in ständiger Bewegung umsetzen. ... . Mit der Inszenierung von “Wir alle für immer zusammen” des niederländischen Schriftstellers Guus Kuijer
gelingt dem Theater Marabu abermals ein großer Wurf in Sachen Jugendtheater. Im wahrsten Sinne des Wortes ein starkes Stück. Bonner Rundschau vom 31.01.2007
Ein starkes Stück Theater rund um das Thema Familie und
Freundschaft. Im eindrucksvoll leichten und ungekünstelten Spiel wird ein breiter Einblick in die Berg- und Talfahrten jugendlicher Gefühle gewonnen, die angesichts verzwickter
Familienstrukturen deutlich heftiger ausfallen all zu Zeiten, da das Vater-Mutter-Kind-Schema noch fest gefügt stand. Die erfrischend lakonischen und unprätentiösen
Gedankenblitze und Weisheiten der Protagonistin Polleke - die davon träumt und enthusiastisch daran arbeitet, Dichterin zu werden - bringen es auf den Punkt, lassen schmunzeln und bieten verblüffende Erkenntnisse.
Befreiend ist die Liebenswürdigkeit aller Figuren, so extrem, sie auch gezeichnet sein mögen. Dadurch gewinnt die Liebe
größeres Gewicht als die verletzende Hilflosigkeit bzw. Kälte unter den “Großen”.Die Aufführung kann helfen, das Gefühl der Ohnmacht gegenüber der Realität zu überwinden, und Mut machen, in ihr zu bestehen: “Alle ....zusammen”.
Auswahljury zum 24.Kinder- und Jugendtheatertreffen NRW im Mai 2008
Mal fällt das Wort wie eine Schneeflocke. Die Dramatisierung der bezaubernden kleinen Geschichte von Pollekes Wut und Gefühlsverwirrungen hat die Regisseurin Ulrike Hatzer jetzt am Bonner Theater Marabu mit viel
Spielwitz und Lust an den Wörtern auf die Bühne gebracht. ... . Das aus dem Ganzen keine angeknackste Multikulti-Patchwork-Familien- Idylle wird, liegt an dem wunderbar selbstironisch agierenden Schauspieler-Quartett.
Bonner GA vom 29.01.2007
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Nur ein Tag (Fotos: Ursula Kaufmann)
Ein Leben im
Schnelldurchgang Zwei alte Rumtreiber wie Fuchs und Wildschwein haben es nicht leicht: tagaus tagein auf der Hollywoodschaukel schnarchen und zwischen- durch ein bisschen ums Kissen balgen oder ein wenig
den Blues spielen. Solchen Faulpelzen kommt natürlich eine Eintagsfliege als Abwechslung gerade recht.
Aber da ist es plötzlich aus mit der Tagträumerei für Fuchs und Wildschwein, denn so eine Eintagsfliege
hat natürlich nicht viel Zeit. Rüdiger Pape hat mit “Nur ein Tag” vo Martin Baltscheit im Theater Marabu ein in vielen Szenen rasantes und mitreißendes Stück inszeniert. Nicht nur klopppen sich Walter Zick
als Fuchs und Claus Overkamp als Wildschwein wie ein klassisches Komikerpärchen à la Stan Laurel und Oliver Hardy, sondern sind standesgemäß tolpatschige Lügenbolde, denen die Nase nicht lang
genug wachsen könnte. Und da sie sich beide Hals über Kopf in die Fliege verliebt haben, behauptet das Wildschwein denn auch, der Fuchs und nicht die Eintagsfliege habe nur einen einzigen Lebenstag.
Tina Jücker als Eintagsfliege tanzt
und springt entsprechend dem Motto “Rock around the Clock” unermüdlich über die Bühne. Schließlich gilt es dem Fuchs nicht nur einen schönen Tag zu machen, sondern ein ganzes Leben im Schnelldurchgang zu gestalten.
Spätestens wenn Jücker die beiden Obergaukler verheiratet und ein Kind bekommen lässt, taucht am Rande der Komik aber auch die erste Spur des unausweichlichen Endes auf. Das letzten Endes alles Wehklagen nichts nutzt, darf
allerdings vor allem Benne Neustein im Sebstmitleid und als dem Schicksal ergebene Eintagsfliege vorführen. Die Sekunden bis zum Tod herunterzählend und sich selbst kasteiend, verpasst diese
Eintagsfliege in ununterbrochenem Lamentieren ihren einzigen Lebenstag. Also ist es doch besser, sich von Fuchs und Wildschwein an der Nase herumführen zu lassen? Dabei sitzen doch gerade diese
Faulpelze zu guter Letzt wieder zurückgelehnt auf der Hollywoodschaukel und freuen sich auf die neuen Eintagsfliegen. Oder sind sie gar ein bisschen weider geworden? Bonner Rundschau vom 14.September 2007
Die Eintagsfliege und ein Leben im Zeitraffer. ... . Es ist in der Inszenierung des bekannten Kinder- und Jugendtheaterregisseurs Rüdiger Pape eine bezaubernd witzige und nachdenkliche
Geschichte über die Vergänglichkeit der Zeit und die Möglichkeit, in einem kurzen Leben das ganze Glück eines langen zu erobern. Fuchs und Wildschwein warten nämlich sehnsüchtig auf die
Geburt einer Eintagsfliege. Wenn Tina Jücker torkelnd und tanzend aus dem sorgsam in einer Waschschüssel gehüteten Ei schlüpft, muss jeder dieses fröhliche, kunterbunte Geschöpf (märchenhafte Ausstattung: Regina Rösing)
einfach lieb haben.Das Problem ist: Das Wesen, das da gerade begeistert das Licht der Welt erblickt hat, hält sich für eine Maifliege, die auch noch im Juli herumschwirren könnte. Ist aber nur
eine Eintagsfliege und am nächsten Tag schon der Staub von gestern. Kann man dem munteren Mädel aber nicht direkt so sagen. Deshalb gibt es plötzlich einen fiktiven Eintagsfuchs, und das
putzige Insekt will mitleidig dessen einzigen Lebenstag zu einem großen Fest machen.
Vom kleinsten
Einmaleins in der Grundschule bis zur Hochzeit, von einer dramatischen Schwangerschaft bis zur Witwereinsamkeit spielen die Freunde ihrem ‘Kind’ das ganze Leben zwischen Geburts- und Todestag einfach vor. Spätestens wenn Bene
Neustein als groteske schwarze Eintagsfliege auftaucht und sich die Minuten mit der Fliegenklatsche auf den Rücken klopt, begreift jeder, dass jede gelebte Sekunde mehr wert ist als eine abgezählte.
Klar: Irgendwann ist der Tag vorbei, aber weil alle so herrlich komisch und gleichzeitig so ernsthaft
gespielt haben, war das kurze verspielte Leben der Eintagsfliege einfach wunderbar. Generalanzeiger, Feuilleton vom 12.September 2007
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